Acid Jazz Radio Bandprofil

Galliano

Galliano 1988 in London gegründet, galten Galliano als Sinnbild für den britischen Acid Jazz der neunziger Jahre. Trotz einer Reihe erfolgreicher Alben auf dem mit der Gruppe eng verbundenen Label Talkin' Loud mutierte die Gruppe nicht wie viele andere Acid Jazz-Acts zu einem introvertierten Studio-Projekt. Stets suchte sie den direkten Kontakt zum Publikum und fand auch live zu einer explosiven Mischung aus jazzigen Harmonien und Improvisationen, feurigem Funk und eingängigem Pop. Galliano hatten die perfekte Mixtur für all jene, "die nach dem natürlichen High statt nach dem chemischen Kick suchen" ("The Face").

Galliano gingen im Acid-Boom des Jahres 1988 aus der Londoner Club-Scene hervor. Den Kern der Gruppe bildeten Sänger und Hauptsongschreiber Rob Gallagher alias Earl Zinger oder Rob Galliano, Bassist Ernie McKone, Schlagzeuger Crispin Taylor, Keyboarder Mick Talbot (vorher bei The Style Council), Gitarrist Mark Vandergucht und Percussionist Brother Spry sowie den Background-Vokalisten Valerie Étienne, Brother Constantine und Daddy Smith. Diese wurden je nach Bedarf eingesetzt oder durch weitere Musiker verstärkt - manchmal spielte z.B. Soullegende Roy Ayers mit. Rob Gallagher blieb die einzige personelle Konstante der Band im Lauf der Jahre. Von Anfang war an eine erstaunliche stilistische Bandbreite gegeben, wohl aufgrund der unterschiedlichen ethnischen und kulturellen Hintergründe der Mitglieder.

Auf dem Einstandsalbum In Pursuit Of The Thirteenth Note (1991) griff der Spät-Hippie Gallagher soziale und Rassenprobleme auf, versuchte jedoch stets verschiedene kulturelle Standpunkte zu moderieren, statt nach Konfrontation zu suchen. Das zweite Album A Joyful Noise Unto The Creator (1992) fiel weniger programmatisch und stärker Dance-orientiert aus. Galliano brachen damit aus dem selbstgesetzten Kontext aus und kombinierten ihre vielfältigen Wurzeln zu einer Weltmusik eigener Prägung. Puristen bevorzugten das introspektivere erste Album, aber diese zweite LP erweiterte ihre Gefolgschaft beträchtlich. Die Jahre '92 und '93 standen im Zeichen weltweiter Tourneen, deren Feuer auf der ausschließlich in Japan veröffentlichten Live-Platte Until Such Time (1993) dokumentiert wurde.

Auf The Plot Thickens (1994) orientierte sich die Gruppe wesentlich stärker an Folk und Ethno-Pop, coverte David Crosbys Long Time Gone und widmete sich in einem Song wie Twyford Down wieder stärker sozialen und ökologischen Inhalten. Obwohl Galliano längst nicht mehr zum harten Kern des Acid Jazz gehörten, bekamen sie das rückläufige Interesse an dieser Musik zu spüren, und die Platte floppte. Erst als sie zwei Jahre später mit :4 ein klares Bekenntnis zu Break Beats und Drum 'n' Bass ablegten, konnten sie wieder Boden gutmachen. Galliano bewiesen noch einmal, dass sie in Sachen Black Music in England ein gehöriges Wörtchen mitzureden hatten, und absolvierten eine grandiose Welt-Tournee. Trotzdem wurde es nach dem in Tokio mitgeschnittenen Live-Album Live At The Liquid Room (Tokyo) (1997) still um die Band, die sich nur noch an ein paar Compilations des Talking Loud-Labels beteiligte.

Keyboarder Mick Talbot startete gemeinsam mit Steve White (Ex-Style Council) die Soul Jazz-Projekte Talbot/White und The Players (weiterer Musiker: Damon Minchella). Rob Gallagher veröffentlicht auf seinem eigenen Label Red Egyptian Singles in kleinen Auflagen. Außerdem hat er 1999 gemeinsam mit Dilip Harris das Projekt Two Banks of Four ins Leben gerufen.

Auch Galliano bezweifeln, dass der Begriff "Acid Jazz" ihrer Musik gerecht wird. Zum Einen könnte der Wort Acid zu dem Missverständnis führen, dass die Bandmitglieder oder generell die Fans dieser Musikrichtung alle diese Droge konsumierten. Zum anderen sehen sie - wie viele andere Acid Jazz Musiker, Bands und DJs auch - ihre Musik nicht als Jazz an.

Persönlicher Bezug

Ohne Galliano´s Album "In Pursuit of the Thirteenth Note" hätte ich meine Liebe zum Acid Jazz wohl nicht (wieder-)entdeckt und es gäbe diese Webseite nicht. Ökopolitische Botschaften verpackt in britischem Funk, fetten Beats, 70er Soul mit Anleihen von Reggae und Dub - diese Mischung geht mir ins Ohr und in Hüften und Füße.

Diskographie:

  • In Pursuit Of The Thirteenth Note (1991)
  • A Joyful Noise Unto The Creator (1993)
  • What Colour Our Flag (1994)
  • The Plot Thickens (1994)
  • A Thicker Plot - Remixes (1995)
  • :4 (1996)
  • Live At The Liquid Rooms (1997)

Acid Jazz Radio Sendungen

Galliano gehört natürlich zu den Klassikern des Acid Jazz und ist daher in der Sendung "The Roots of Acid Jazz and Classics" zu hören sowie in der Basisplaylist.

Links:

Hier stoße ich auf die gleichen Schwierigkeiten wie schon bei The Style Council. Zu Galliano gibt es im deutschen und britischen Wikipedia Einträge, man findet aber keine Band-Website. Also liste ich hier die Seiten einzelner Musiker oder ihrer Projekte auf. Auch sehr informativ ist das Spiegel Interview mit Earl Zinger aus dem Jahr 2002.

Rob Gallagher aka Earl Zinger:
Neues Projekt: William Adamson

Mick Talbot:
The Players

Spiegel-Interview:
Der Klempner von Frank Sinatra (März 2002)

Videos:

 

 

Quellen:

Wikipedia (de), Wikipedia (en), Musicline